Medikamentöse Behandlung der Chronischen Niereninsuffizienz
Blutdruckkontrolle und Nephroprotektion
- Die American Society of Nephrology empfiehlt, dass ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB) die Erstlinientherapie bei chronischer Niereninsuffizienz sind, besonders bei Patienten mit Albuminurie, da sie nicht nur den Blutdruck senken, sondern auch direkte nephroprotektive Wirkungen haben 1, 2, 3
- Bei Patienten mit schwerer Albuminurie (A3) ohne Diabetes wird die Einleitung einer RASi-Therapie (ACE-Hemmer oder ARB) empfohlen, um die Nierenfunktion zu schützen 2, 3
- Die National Kidney Foundation empfiehlt, dass bei Patienten mit mäßiger Albuminurie (A2) ohne Diabetes eine RASi-Therapie vorgeschlagen wird, um die Nierenfunktion zu erhalten 2, 3
- Bei Patienten mit Diabetes und mäßiger bis schwerer Albuminurie wird eine RASi-Therapie dringend empfohlen, um die Nierenfunktion zu schützen und kardiovaskuläre Risiken zu reduzieren 2, 3
Dosierung und Überwachung von RASi
- RASi sollten in der höchsten verträglichen Dosis verabreicht werden, da die nachgewiesenen Vorteile in Studien mit diesen Dosen erzielt wurden, um die Nierenfunktion zu schützen und kardiovaskuläre Risiken zu reduzieren 1, 3
- Blutdruck, Serumkreatinin und Kalium sollten innerhalb von 2-4 Wochen nach Beginn oder Dosiserhöhung eines RASi überprüft werden, um unerwünschte Ereignisse frühzeitig zu erkennen 1, 3
- Die ACE-Hemmer- oder ARB-Therapie sollte fortgesetzt werden, es sei denn, das Serumkreatinin steigt innerhalb von 4 Wochen nach Therapiebeginn oder Dosiserhöhung um mehr als 30%, um die Nierenfunktion zu schützen 1, 2
SGLT2-Inhibitoren
- Die American Diabetes Association empfiehlt, dass SGLT2-Inhibitoren für Patienten mit Typ-2-Diabetes, chronischer Niereninsuffizienz und einer eGFR ≥20 ml/min/1,73 m² empfohlen werden, um die Nierenfunktion zu schützen und kardiovaskuläre Risiken zu reduzieren 2, 3
- SGLT2-Inhibitoren werden auch für Erwachsene mit chronischer Niereninsuffizienz empfohlen bei eGFR ≥20 ml/min/1,73 m² mit Urin-ACR ≥200 mg/g oder Herzinsuffizienz, unabhängig vom Albuminuriegrad, um die Nierenfunktion zu schützen und kardiovaskuläre Risiken zu reduzieren 2, 3
Blutdruckziele
- Die American Heart Association empfiehlt, dass bei Erwachsenen mit chronischer Niereninsuffizienz ein Blutdruckziel von <140/90 mmHg angestrebt werden sollte, um kardiovaskuläre Risiken zu reduzieren 1, 4
- Bei Patienten mit Albuminurie kann ein niedrigeres Ziel von <130/80 mmHg angestrebt werden, um die Nierenfunktion zu schützen und kardiovaskuläre Risiken zu reduzieren 1, 4
Lipidsenkende Therapie
- Die National Lipid Association empfiehlt, dass bei Erwachsenen ≥50 Jahre mit eGFR <60 ml/min/1,73 m² eine Behandlung mit einem Statin oder einer Statin/Ezetimib-Kombination empfohlen wird, um kardiovaskuläre Risiken zu reduzieren 5, 6
- Bei Erwachsenen ≥50 Jahre mit chronischer Niereninsuffizienz und eGFR ≥60 ml/min/1,73 m² wird eine Statintherapie empfohlen, um kardiovaskuläre Risiken zu reduzieren 5, 6
Thrombozytenaggregationshemmung
- Die American College of Cardiology empfiehlt, dass bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz und bestehender ischämischer Herz-Kreislauf-Erkrankung eine niedrig dosierte Aspirin-Therapie zur Sekundärprävention empfohlen wird, um kardiovaskuläre Risiken zu reduzieren 5, 6
Besondere Überlegungen
- Bei Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz (eGFR <15 ml/min/1,73 m²) kann eine Dosisreduktion oder das Absetzen von ACE-Hemmern oder ARBs erwogen werden, um urämische Symptome zu reduzieren 1, 3
- Die Kombination von ACE-Hemmern, ARBs und direkten Renin-Inhibitoren sollte vermieden werden, um unerwünschte Ereignisse zu vermeiden 1, 2