Praxis Medical Insights

Est. 2024 • Clinical Guidelines Distilled

Made possible by volunteer editors from the University of Calgary & University of Alberta

Last Updated: 9/11/2025

Diagnostik und Behandlung von Rezidivierenden Pankreatitiden

Diagnostisches Vorgehen

  • Die American Gastroenterological Association empfiehlt eine gründliche diagnostische Abklärung mittels endoskopischem Ultraschall (EUS) als bevorzugte Erstuntersuchung, gefolgt von MRT/MRCP als ergänzende oder alternative Untersuchung, um die zugrundeliegende Ursache zu identifizieren und gezielte Behandlungsmaßnahmen einzuleiten 1
  • EUS ist die bevorzugte initiale Untersuchungsmethode bei ungeklärter rezidivierender Pankreatitis, idealerweise 2-6 Wochen nach Abklingen der akuten Episode durchgeführt 1
  • MRT mit Kontrastmittel und MRCP sind komplementäre oder alternative Untersuchungen zum EUS, besonders hilfreich zur Identifizierung von Ganganomalien wie Pancreas divisum 1
  • Bei negativem Erstbefund sollten weitere Ultraschalluntersuchungen erfolgen, da diese die sensitivste Methode zur Diagnose von übersehenen Gallensteinen darstellen 2
  • Laboruntersuchungen sollten Nüchternlipide und Kalzium im Serum umfassen, um metabolische Ursachen zu identifizieren 2

Häufige Ursachen rezidivierender Pankreatitiden

  • Gallensteinleiden (etwa 50% der Fälle) und Mikrolithiasis sind häufige Ursachen rezidivierender Pankreatitiden 2
  • Anatomische Varianten wie Pancreas divisum (6-10% der Bevölkerung) können eine Ursache rezidivierender Pankreatitiden sein 1

Behandlungsansätze

  • Bei Pancreas divisum kann die endoskopische Therapie der kleinen Papille bei Patienten mit objektiven Zeichen einer Abflussbehinderung (erweiterter dorsaler Pankreasgang und/oder Santorinicele) erwogen werden 3, 4
  • Die Entscheidung zur endoskopischen Therapie sollte sorgfältig abgewogen werden angesichts potenzieller Komplikationen wie Post-ERCP-Pankreatitis (10-15%) und Post-Papillotomie-Stenose (bis zu 19%) 5
  • Eine kleine randomisierte Studie zeigte eine signifikante Reduktion künftiger Pankreatitisepisoden durch Stenteinlage (10% vs. 67%) 4

Fallstricke und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Diagnose einer idiopathischen Pankreatitis sollte erst nach gründlicher Suche nach Gallensteinen gestellt werden 2
  • Die Sphinkter-Oddi-Manometrie zur Identifizierung einer Sphinkterdysfunktion birgt ein erhebliches Risiko, eine akute Pankreatitis auszulösen, und sollte nur in spezialisierten Zentren durchgeführt werden 2
  • Stentplatzierung allein ist keine repräsentative zeitgemäße klinische Praxis, da dieser Ansatz unwahrscheinlich zu einer dauerhaften Umgestaltung des dorsalen Drainagesystems führt 4