Diagnostik und Behandlung von Rezidivierenden Pankreatitiden
Diagnostisches Vorgehen
- Die American Gastroenterological Association empfiehlt eine gründliche diagnostische Abklärung mittels endoskopischem Ultraschall (EUS) als bevorzugte Erstuntersuchung, gefolgt von MRT/MRCP als ergänzende oder alternative Untersuchung, um die zugrundeliegende Ursache zu identifizieren und gezielte Behandlungsmaßnahmen einzuleiten 1
- EUS ist die bevorzugte initiale Untersuchungsmethode bei ungeklärter rezidivierender Pankreatitis, idealerweise 2-6 Wochen nach Abklingen der akuten Episode durchgeführt 1
- MRT mit Kontrastmittel und MRCP sind komplementäre oder alternative Untersuchungen zum EUS, besonders hilfreich zur Identifizierung von Ganganomalien wie Pancreas divisum 1
- Bei negativem Erstbefund sollten weitere Ultraschalluntersuchungen erfolgen, da diese die sensitivste Methode zur Diagnose von übersehenen Gallensteinen darstellen 2
- Laboruntersuchungen sollten Nüchternlipide und Kalzium im Serum umfassen, um metabolische Ursachen zu identifizieren 2
Häufige Ursachen rezidivierender Pankreatitiden
- Gallensteinleiden (etwa 50% der Fälle) und Mikrolithiasis sind häufige Ursachen rezidivierender Pankreatitiden 2
- Anatomische Varianten wie Pancreas divisum (6-10% der Bevölkerung) können eine Ursache rezidivierender Pankreatitiden sein 1
Behandlungsansätze
- Bei Pancreas divisum kann die endoskopische Therapie der kleinen Papille bei Patienten mit objektiven Zeichen einer Abflussbehinderung (erweiterter dorsaler Pankreasgang und/oder Santorinicele) erwogen werden 3, 4
- Die Entscheidung zur endoskopischen Therapie sollte sorgfältig abgewogen werden angesichts potenzieller Komplikationen wie Post-ERCP-Pankreatitis (10-15%) und Post-Papillotomie-Stenose (bis zu 19%) 5
- Eine kleine randomisierte Studie zeigte eine signifikante Reduktion künftiger Pankreatitisepisoden durch Stenteinlage (10% vs. 67%) 4
Fallstricke und Vorsichtsmaßnahmen
- Die Diagnose einer idiopathischen Pankreatitis sollte erst nach gründlicher Suche nach Gallensteinen gestellt werden 2
- Die Sphinkter-Oddi-Manometrie zur Identifizierung einer Sphinkterdysfunktion birgt ein erhebliches Risiko, eine akute Pankreatitis auszulösen, und sollte nur in spezialisierten Zentren durchgeführt werden 2
- Stentplatzierung allein ist keine repräsentative zeitgemäße klinische Praxis, da dieser Ansatz unwahrscheinlich zu einer dauerhaften Umgestaltung des dorsalen Drainagesystems führt 4